Arbeitskreis Medizingeschädigter
BUNDESVERBAND -AKMG- e.V.

in Kooperation mit dem Privaten Netzwerk Medizingeschädigter

Wochenspiegel  Wittenberg

Februar 2011

MRSA: In der Klinik infiziert

Hans-Werner Rudloff macht seine Leiden ffentlich und hilft anderen Betroffenen weiter


 

 Hans-Werner Rudloff leitet den Arbeitskreis fr Medizingeschdigte in Sachsen-Anhalt. Als Betroffener hilft er anderen Betroffenen ber das Internet.
Foto: Antje Wei


Wittenberg/Meuro (aw). “2003 wusste hier noch keiner etwas ber Krankenhauskeime“, sagt Hans-Werner Rudloff und berichtet, dass nach einer OP seine Wunden nicht mehr heilen wollten. Ein Jahr herrschte Ungewiss-heit, ein Jahr kmpfte Rudloff vergeblich mit den Schmerzen, dann besttigte sich: “Ich hatte mich mit Multi-Resistente-Staphylococcus-Aureus infiziert.“

Gegen die Antibiotika resistenten Bakterien gab es kein Mittel: Scheibchenweise lie sich Rudloff sein linkes Bein amputieren, bis alle Keime entfernt waren. “Jeder Zehnte steckt sich im Krankenhaus mit MRSA an, jhrlich infizieren sich bundesweit ungefhr eine Million Patienten und etwa 40.000 sterben daran.“ Geschtzte Zahlen, denn eine konkrete Statistik fehle: “Eine generelle Meldepflicht gibt es nicht, nach dem Infektionsgesetz mssen Kliniken nur das gehufte Auftreten der Keime dem Gesundheitsamt melden. Aber ab wann beginnt ein Haufen?“

Die Amputation vernderte das Leben des damals 55-jhrigen Geschftsmanns drastisch. Sein Rundfunkgeschft in Piesteritz bernahm einer der ehemaligen Angestellten und auch das Hobby, die Herpetologie und Terrarienkunde, musste er aufgeben. Es kam eine Krankheit nach der anderen dazu: “Von der Brust an ist bei mir alles knstlich“. Am Anfang versuchte er noch ber die Politik Druck zu machen, schlielich war Rudloff Mitbegrnder der SPD in Wittenberg, doch: “Politik ist viel zu trge, viel zu langsam, das hngt mit nicht Wollen zusammen.“ MRSA werde einfach ignoriert.

Dass jeder schon einmal mit MRSA-Keimen zu tun hatte, erkenne man an eiternden Wunden: “Unser Immunsystem regelt das meistens problemlos.“ Das knne sich aber ndern, wenn das Immunsystem geschwcht ist, wie zum Beispiel nach einem medizinischen Eingriff: “Da muss neben der Wundversorgung auch noch Antibiotika her, ist aber der Keim resistent gegen Antibiotika, kann ein kritischer Zustand entstehen.“ Stirbt ein Patient daran, brauche MRSA im Totenschein nicht zu stehen.

“Schuld an der Verbreitung der Keime ist einerseits eine mangelhafte Hygiene, andererseits die bertriebene Gabe von Antibiotika“, sagt Rudloff. Inzwischen gebe es mehr als 1.000 verschiedene MRSA-Bakterien, gehuft in der Altenpflege. Auch ein Arzt, der stndig Kontakt mit MRSA hat, werde nicht getestet. Eine Geheimhaltung trage zur weiteren Verbreitung bei. Der Arbeitskreis Medizingeschdigter (AKMG) fordert neutrale Gutachten: “Der Knackpunkt ist die Haftpflichtversicherung, die rzten vorschreibt, nichts schriftlich einzugestehen.“ Aber gerade von Medizinern bekommt Rudloff Untersttzung: “rzte sind froh, wenn ein Auenstehender etwas unternimmt“.

Dass MRSA in den Kliniken bekmpft werden kann, beweisen die Niederlande: “In Holland sterben weniger als 0,1 Prozent der Infizierten, wogegen es bei uns 3,4 Prozent sind.“ Hans-Werner Rudloff kmpft dafr, dass ein Test Pflicht wird: “Ist ein Menschenleben keine 15 Euro wert? Mehr kostet der Test nicht.“ Sein Rat: “Jeder, der ins Krankenhaus muss, sollte vorher ein MRSA-Screening in einem neutralen Labor machen.“ Wenn es in den Medien um das Thema Medizingeschdigte geht, wird Hans-Werner Rudloff geholt. Zu Gast war er schon bei “Ein Fall fr Escher“, bei privaten Fernsehanstalten und jetzt hat er eine Einladung fr die WDR-Sendung “Planet Wissen“.

Rudloff leitet seit 2005 den Arbeitskreis fr Medizingeschdigte (AKMG) in Sachsen-Anhalt: “Meine Aufgabe ist es aufzuklren, Betroffene an die richtigen Leute weiterzuleiten. Leider liegt in Deutschland die Beweispflicht beim Geschdigten und wer sich im falschen Moment an den falschen Ort begibt, hat spter keine Chance mehr eine unverflschte Krankenakte zu bekommen.“ Diese msse man sich ber einen Rechtsanwalt mit einem Paukenschlag holen. “Leute, die ins Krankenhaus gehen, sollen sich vorher im Internet informieren.“

Mehrere Stunden betreut Rudloff als Moderator MRSA-Betroffene ber das Internet. So konnte er vor kurzem einer 16-jhrigen zu ihrem Recht verhelfen. “Nach einer Nasenscheidewand-Operation heilten ihre Wunden nicht, ihr musste die halbe Nase entfernt werden.“ Auch auf dem Schweizer Internetportal - www.symptome.ch - moderiert er und schreibt Beitrge, auch die zum Portal gehrenden Wiki-Seiten ber MRSA. Das Interesse an Aufklrung da ist, zeigen eine Million Zugriffe im Monat. Stolz ist er auf das bisher Erreichte: “Wir haben so viel Druck gemacht, langsam werden wir gehrt.“

Der Arbeitskreis Medizingeschdigter (AKMG) wurde 1995 gegrndet. Im Vorstand sind nur Betroffene, die selbst oder deren Angehrige Opfer einer Fehlbehandlung wurden. Fr Mitglieder bietet der AKMG kostenlos Beratung. Jeden letzten Donnerstag im Monat gibt es von 15 bis 18 Uhr kostenlose Telefonsprechstunden mit Anwlten fr Medizinrecht. Auch Nichtmitglieder drfen anrufen: Tel. 07562 - 3995        www.akmg.de


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