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Hans-Werner Rudloff macht seine Leiden
ffentlich und hilft anderen Betroffenen weiter
Hans-Werner Rudloff leitet den Arbeitskreis fr Medizingeschdigte
in Sachsen-Anhalt. Als Betroffener hilft er anderen Betroffenen ber
das Internet.
Foto: Antje Wei
Wittenberg/Meuro (aw). “2003 wusste hier noch keiner etwas ber
Krankenhauskeime“, sagt Hans-Werner Rudloff und berichtet, dass nach
einer OP seine Wunden nicht mehr heilen wollten. Ein Jahr herrschte
Ungewiss-heit, ein Jahr kmpfte Rudloff vergeblich mit den
Schmerzen, dann besttigte sich: “Ich hatte mich mit
Multi-Resistente-Staphylococcus-Aureus infiziert.“
Gegen die Antibiotika resistenten Bakterien gab es
kein Mittel: Scheibchenweise lie sich Rudloff sein linkes Bein
amputieren, bis alle Keime entfernt waren. “Jeder Zehnte steckt sich
im Krankenhaus mit MRSA an, jhrlich infizieren sich bundesweit
ungefhr eine Million Patienten und etwa 40.000 sterben daran.“
Geschtzte Zahlen, denn eine konkrete Statistik fehle: “Eine
generelle Meldepflicht gibt es nicht, nach dem Infektionsgesetz
mssen Kliniken nur das gehufte Auftreten der Keime dem
Gesundheitsamt melden. Aber ab wann beginnt ein Haufen?“
Die Amputation vernderte das Leben des damals
55-jhrigen Geschftsmanns drastisch. Sein Rundfunkgeschft in
Piesteritz bernahm einer der ehemaligen Angestellten und auch das
Hobby, die Herpetologie und Terrarienkunde, musste er aufgeben. Es
kam eine Krankheit nach der anderen dazu: “Von der Brust an ist bei
mir alles knstlich“. Am Anfang versuchte er noch ber die Politik
Druck zu machen, schlielich war Rudloff Mitbegrnder der SPD in
Wittenberg, doch: “Politik ist viel zu trge, viel zu langsam, das
hngt mit nicht Wollen zusammen.“ MRSA werde einfach ignoriert.
Dass jeder schon einmal mit MRSA-Keimen zu tun
hatte, erkenne man an eiternden Wunden: “Unser Immunsystem regelt
das meistens problemlos.“ Das knne sich aber ndern, wenn das
Immunsystem geschwcht ist, wie zum Beispiel nach einem
medizinischen Eingriff: “Da muss neben der Wundversorgung auch noch
Antibiotika her, ist aber der Keim resistent gegen Antibiotika, kann
ein kritischer Zustand entstehen.“ Stirbt ein Patient daran, brauche
MRSA im Totenschein nicht zu stehen.
“Schuld an der Verbreitung der Keime ist
einerseits eine mangelhafte Hygiene, andererseits die bertriebene
Gabe von Antibiotika“, sagt Rudloff. Inzwischen gebe es mehr als
1.000 verschiedene MRSA-Bakterien, gehuft in der Altenpflege. Auch
ein Arzt, der stndig Kontakt mit MRSA hat, werde nicht getestet.
Eine Geheimhaltung trage zur weiteren Verbreitung bei. Der
Arbeitskreis Medizingeschdigter (AKMG) fordert neutrale Gutachten:
“Der Knackpunkt ist die Haftpflichtversicherung, die rzten
vorschreibt, nichts schriftlich einzugestehen.“ Aber gerade von
Medizinern bekommt Rudloff Untersttzung: “rzte sind froh, wenn ein
Auenstehender etwas unternimmt“.
Dass MRSA in den Kliniken bekmpft werden kann,
beweisen die Niederlande: “In Holland sterben weniger als 0,1
Prozent der Infizierten, wogegen es bei uns 3,4 Prozent sind.“
Hans-Werner Rudloff kmpft dafr, dass ein Test Pflicht wird: “Ist
ein Menschenleben keine 15 Euro wert? Mehr kostet der Test nicht.“
Sein Rat: “Jeder, der ins Krankenhaus muss, sollte vorher ein
MRSA-Screening in einem neutralen Labor machen.“ Wenn es in den
Medien um das Thema Medizingeschdigte geht, wird Hans-Werner
Rudloff geholt. Zu Gast war er schon bei “Ein Fall fr Escher“, bei
privaten Fernsehanstalten und jetzt hat er eine Einladung fr die
WDR-Sendung “Planet Wissen“.
Rudloff leitet seit 2005 den Arbeitskreis fr
Medizingeschdigte (AKMG) in Sachsen-Anhalt: “Meine Aufgabe ist es
aufzuklren, Betroffene an die richtigen Leute weiterzuleiten.
Leider liegt in Deutschland die Beweispflicht beim Geschdigten und
wer sich im falschen Moment an den falschen Ort begibt, hat spter
keine Chance mehr eine unverflschte Krankenakte zu bekommen.“ Diese
msse man sich ber einen Rechtsanwalt mit einem Paukenschlag holen.
“Leute, die ins Krankenhaus gehen, sollen sich vorher im Internet
informieren.“
Mehrere Stunden betreut Rudloff als Moderator
MRSA-Betroffene ber das Internet. So konnte er vor kurzem einer
16-jhrigen zu ihrem Recht verhelfen. “Nach einer
Nasenscheidewand-Operation heilten ihre Wunden nicht, ihr musste die
halbe Nase entfernt werden.“ Auch auf dem Schweizer Internetportal -
www.symptome.ch - moderiert er und schreibt Beitrge, auch die zum
Portal gehrenden Wiki-Seiten ber MRSA. Das Interesse an Aufklrung
da ist, zeigen eine Million Zugriffe im Monat. Stolz ist er auf das
bisher Erreichte: “Wir haben so viel Druck gemacht, langsam werden
wir gehrt.“
Der Arbeitskreis Medizingeschdigter (AKMG) wurde
1995 gegrndet. Im Vorstand sind nur Betroffene, die selbst oder
deren Angehrige Opfer einer Fehlbehandlung wurden. Fr Mitglieder
bietet der AKMG kostenlos Beratung. Jeden letzten Donnerstag im
Monat gibt es von 15 bis 18 Uhr kostenlose Telefonsprechstunden mit
Anwlten fr Medizinrecht. Auch Nichtmitglieder drfen anrufen: Tel.
07562 - 3995
www.akmg.de
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